Wissen für Fleischtiger

Nicht nur aus der Grillsaison, sondern allgemein aus der österreichischen, traditionellen Küche ist Fleisch nicht wegzudenken. Es ist mir ein Anliegen, euch hier mit den wichtigsten Fakten vertraut zu machen, um euer Fleisch bewusst wählen und genießen zu können!

Die Geister scheiden sich, wenn es um die Auswirkungen von Fleisch auf die Gesundheit geht.

Ein übermäßiger Fleischkonsum (vor allem von Wurstwaren und rotem Fleisch), führt zu Übergewicht, erhöht die Cholesterinwerte, was zur Entstehung von Gefäßkrankheiten und Herzinfarkt führen kann und erhöht das Krebsrisiko.

Gleichzeitig liefert Fleisch unserem Körper jede Menge überlebens- notwendiger Nährstoffe – allen voran Eiweiß, aber auch Eisen, Zink, Selen und B-Vitamine, sowie eine große Anzahl an Proteinen. Vegetarier haben oft genau in diesen Bereichen Mangelerscheinungen. In Sachen Nährstoffe, schneidet rotes Fleisch übrigens deutlich besser ab als Geflügel.

Fleisch ist also nicht ungesund - es handelt sich um einen klassischen Fall von ‚Die Dosis macht das Gift‘. Täglich zwei Leberkäs‘ Semmerl zur Jause sind für den Körper schädlich, hin und wieder ein gegrilltes Kotelett ist gesund.

Ganz anders sieht es beim Fleisch leider mit der Umweltbilanz aus!

Für jede Kalorie die aus Fleisch gewonnen wird, müssen – je nach Tierart und Quelle – 14 bis 34 pflanzliche Kalorien verfüttert werden. Das führt dazu, dass 28-mal mehr Fläche für die Produktion von Fleisch benötigt wird, als für die Produktion von Getreide. Eine weitere erschreckende Zahl ist, dass 36% der weltweit produzierten Kalorien aus der Agrarwirtschaft in die Fleischproduktion gehen. In Österreich, haben wir beispielsweise eine jährliche Fleischüberproduktion von 109% (wir sind übrigens die drittgrößten Fleischtiger der EU), während wir laut kontrast.at knapp die Hälfte unseres benötigten Gemüses aus dem Ausland importieren müssen, da wir 80% unserer Anbauflächen für Weideflächen und Futteranbau verwenden.

Unsere Treibhausgas-Bilanz verschlechtert sich nicht nur durch den Import von Gemüse, es werden zusätzlich rd. 550.000 Tonnen (zum größten Teil gentechnisch verändertes) Soja Futtermittel jährlich, vorwiegend aus Südamerika, nach Österreich importiert. Laut Global2000 erzeugt die Ernährung der Österreicher rund 12,5 Millionen Tonnen CO2eq und damit mehr als der Personenverkehr auf unseren Straßen (12 Millionen Tonnen CO2eq) – mehr als die Hälfte dieser Emissionen geht auf das Konto der Nutztierhaltung.

Zu allem Übel, importieren wir zusätzlich billiges Fleisch nach Österreich, das vorwiegend für die Wurstproduktion und in der Gastronomie eingesetzt wird. Dafür exportieren wir den Überschuss unseres Fleisches in andere Länder.

Billiges Fleisch geht fast ausschließlich zu Lasten des Tierwohls. Denn allen voran wird beim Platz eingespart – Tiere werden mit minimalem Platz in Ställen gehalten, sie haben wenig bis keinen Auslauf, können ihrem natürlichen Sozialverhalten nicht nachgehen und Grundbedürfnisse wie Ruhe, Belüftung oder aber auch Stressfaktoren werden nicht berücksichtigt. Weitere Einsparungsmöglichkeiten sind bei der Qualität des Futters, der vorbeugende Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika und der Einsatz von speziell gezüchteten Tierrassen, die in der Natur gar nicht überlebensfähig wären, jedoch beispielsweise besonders große Filetstücke ausbilden.

Es ist mir bewusst, dass die letzten paar Absätze eine ‚harte Kost‘ sind. Meiner Ansicht nach, ist es jedoch notwendig diese unschönen Realitäten zu kennen, um Fleisch bewusst einkaufen zu können. Denn jetzt kommt die gute Nachricht: du kannst selbst entscheiden welches Fleisch bei dir auf dem Teller landet! Schau dir dazu unbedingt unsere Heimatlust Fleischkauftipps an.

Mit Bedacht gewähltes, heimisches, qualitativ hochwertiges und nachhaltiges Fleisch, kombiniert mit heimischem Grillgemüse, leckeren Salaten und Saucen, sowie dem einen oder anderen gebratenen Marshmallow machen jede Grillerei zum Erfolg!

Heimatlust Fleischkaufstipps:

  • Achte darauf, dass du Fleisch aus Österreich kaufst! Das spart Transportwege, garantiert ein besseres Tierwohl (Österreich hat eines der weltweit strengsten Tierwohl Gesetze) und unterstützt die heimische Wirtschaft!

  • Du kennst einen Bauern, der Fleisch produziert? Optimal! Dann kannst du dir selbst ein Bild davon machen was auf deinen Teller kommt!

  • Frage beim Fleischhauer deines Vertrauens nach wo das Fleisch herstammt. Leider ist ‚offenes Fleisch‘ an der Theke in Österreich nicht kennzeichnungspflichtig! Dasselbe gilt übrigens für Restaurants.

  • Bei verpacktem Fleisch ist die Kennzeichnung in Österreich ganz klar geregelt: das Aufzucht- und Schlachtland muss angegeben werden, bei Rind ist auch das Geburtsland verpflichtend. Steht auf der Verpackung ‚Ursprung Österreich‘, sind Geburt, Aufzucht und Schlachtung in Österreich garantiert

  • Lies das Etikett und orientiere dich an den Gütesiegeln! Es gibt einige Gütesiegel die Themen wie Herkunft, Tierwohl und Futtermitteleinsatz reglementieren - mehr Infos dazu, könnt ihr euch online holen. Meine Tipps: www.konsument.at/guetezeichen und www.global2000.at/guetesiegel-check

  • Achte auf den Preis! Ist ein Fleisch extrem billig, macht es Sinn den Grund dafür zu hinterfragen!

  • Bei verarbeitetem Fleisch, beispielsweise Würsteln oder vormariniertem Grillgut, ist eine Herkunftskennzeichnung gesetzlich nicht verpflichtend. Mein persönlicher Ansatz hier ist: Wer diese Angaben trotzdem macht, hat nichts zu verbergen. Werden gar keine Angaben gemacht, macht es mit Sicherheit Sinn das zu hinterfragen

  • Achte auf ‚Bio‘! Das basiert immer auf strengeren Vorgaben als die konventionelle Produktion, ganz unabhängig vom Produkt


Beitrag aus der Heimatlust 'Die Grillbox' im Juni '21